Inside Vanille #1 - Der Anfang meiner Vanille Reise

Kompliziert war die Situation. Unsichere Lage vor Ort in Mexiko. Explodierende Preise im Vanillemarkt und dann noch die Frage "Wie mache ich mit der BIO Zertifizierung am besten weiter?". Mit einigen Gedanken reiste ich im Dezember 2016 zurück nach Mexiko.

 

Erfahre in diesem Artikel mehr über das ganze Vorhaben ...


Meine Schlußfolgerung: Stop!

All diese Umstände führten dazu, dass ich mich entschied erstmal einige Wochen Pause zu machen und abzuwarten. Ich nahm mir also die Zeit, um zu überlegen wie das alles weitergehen sollte. Notwendig war dieses Innehalten. Auch um wieder ein wenig zu sich zu finden und die ganzen Ereignisse der letzten 7 Monate zu verarbeiten: Das erfolgreiche Crowdfunding, der 1. Preis bei Gründen-Live, die ganze Dynamik der Vanilla Campaign.

 

Ich fuhr schlicht und einfach "nach Hause". In meine Wahlheimat "Puerto Escondido" (Oaxaca/México). Ein wirklich idealer Ort, um runterzukommen und sich über Dinge klar zu werden.

 

Ich nutzte diese Zeit, skizzierte mit Papier & Stift in aller Ruhe verschiedene Szenarien und Strategien. Ich kam zu keinem wirklichen Ergebnis.

 

Jedoch wurde mir eine Sache klar. Die BIO Zertifizierung mit meinem Hauptproduzenten konnte nur in einem kleinen Rahmen funktionieren. Schritt für Schritt.

 

Ich ahnte, dass die Gespräche mit meinem Produzenten und der Zertifizierungsstelle wegweisend sein würden. So organisierte ich also die Termine zeitnah für Februar 2017.

 


Los ging die Reise ...

Zuerst einmal nach Oaxaca City, um mit der Zertifizierungstelle (CERES) gründlich die Ausgangslage zu besprechen. Ich hatte soviel von BIO gehört und gleichzeitig das Gefühl doch so wenig zu darüber zu wissen.

 

In Oaxaca City angekommen, ereilten mich keine wirklich positiven Gefühlen auf dem Weg zu dem Treffen. In meinem Kopf drehten meine Gedanken eine Runde nach der Anderen. Der lange Prozess der Zertifizierung von bis zu 3 Jahren. Die Überzeugungsarbeit vor Ort. Das Potential der Vanille und gleichermaßen die Risiken. Zudem die Kosten über insgesamt 3 Jahre zu stemmen. Das alles stimmte mich doch insgesamt sehr nachdenklich.

 

Wie es der Zufall wollte, landeten Herr Hunkler (Representante CERES México) und ich in einer Restaurant-Bar namens "Biergarten" mit ca. 25 verschiedenen Sorten deutscher Biere. Wenn das kein Omen war. Unser Gespräch begann also ...

 

Herr Hunkler konnte mir aufzeigen, worauf es bei einer BIO Zertifizierung ankommt und welche Dimensionen berücksichtigt werden müssen. Eines der wichtigsten Punkte ist die Dokumentation, welche schon so früh wie möglich stattfinden sollte.

 

Dokumentation bedeutet, dass jegliche Ereignisse (Kultivierung, Saat, Pflege, Ernte) schriftlich dokumentiert werden müssen. Es muss weiterhin nachgewiesen werden, dass zum Beispiel keine unerlaubten Betriebsmittel im Spiel sind.

 


Im Idealfall sollte die Dokumentation schon mindestens 1 Jahr vor der eigentlichen ersten Inspektion stattfinden. So kann die Möglichkeit bestehen, den Prozess der Zertifizierung zu verkürzen.

 

Ich bekam ein Gefühl für die ganze Situation in der ich mich befand und die ganze Sache nahm eine Form an.


BIO hin - BIO her

Bei dem Gespräch ging es selbstverständlich auch um die verschiedenen Zertifikate. Denn BIO ist "natürlich" nicht gleich BIO.

 

Eine Entscheidung war zu treffen: Welches BIO Siegel?

 

Je nach Siegel sind die Kosten und der Aufwand dementsprechend sehr unterschiedlich. Anhand des Produktes "Hühnerei" werden hier einmal die Unterschiede verständlicher:

 


Level 1 - Minimum/Standard

Das staatliche Bio-Siegel nach EG-Öko-Verordnung steht für eine Erzeugung und Verarbeitung nach den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau. Es bedeutet für ein gesundes Ei, dass maximal 230 Legehennen pro Hektar erlaubt sind, das Futter aus dem ökologischen Landbau stammen muss und dabei möglichst aus der eigenen Bewirtschaftung, sowie dass sich der Erzeuger den vorgeschriebenen Kontrollen unterzieht. Siehe auch: www.bio-siegel.de


Level 2 - Fortgeschritten

Bioland ist ein führender ökologischer Anbauverband in Deutschland, in dem in Deutschland knapp 6.000 Bio-Bauern organisiert sind. Mindestens 50% des Futters muss aus dem eigenen Betrieb stammen, es sind maximal nur 140 Hennen pro Hektar Betriebsfläche erlaubt und es gelten viele weitere Regeln für Herdenobergrenzen, Ställe und Auslauf. Siehe auch: Bioland
Verband für organisch-biologischen Landbau e.V. oder www.bioland.de


Level 3 - Professionell

Naturland Bauern und Verarbeiter arbeiten mit höchsten ökologischen Standards, die oftmals strenger sind als die gesetzlichen Anforderungen der EG-Öko-Verordnung. In Deutschland gibt es knapp 3.000 Naturland Betriebe. Auch hier wird u.a. festgelegt, dass mindestens 50% des Futters aus dem eigenen Betrieb stammen muss und maximal nur 140 Hennen pro Hektar Betriebsfläche erlaubt sind. Siehe auch: Naturland – Verband für ökologischen Landbau e.V. oder www.naturland.de


Level 4 - High End

Demeter steht für Produkte der Biologisch-Dynamischen Wirtschaftsweise. Auch sind maximal 140 Legehennen pro Hektar Betriebsgröße vorgegeben und das Futter muss zu mindestens zwei Dritteln aus Demeter-Betrieben stammen. Siehe auch: Demeter e.V. oder www.demeter.de

Quelle: http://www.apotheken-wissen.de/gesunde-eier-kennzeichnungen/

 


Entscheidung für Naturland

Das Naturland-Siegel bringt den Vorteil mit sich, dass fairer Handel, gerechte Arbeits- sowie Produktionsbedingungen Teil der Zertifizierung sind. Daher ist es sinnvoll, das etwas kostenintensivere aber "professionelle" Naturland Siegel ins Auge zu fassen. Ich infomierte mich also und nahm zu Peter Glänz von Naturland Kontakt auf. Dies war nötig, da ich noch einige Details hinsichtlich der Verwaltung & Kosten klären wollte. Am Ende stand fest, ich versuche es mit Naturland!.

 

Losgelöst von der ganzen BIO Siegel-Frage, will ich euch an dieser Stelle kurz PERMAKULTUR etwas näherbringen. PERMAKULTUR könnte das "neue BIO" werden, so meine Vermutung. PERMAKULTUR ist ein Konzept, das auf die Schaffung von dauerhaft funktionierenden nachhaltigen und naturnahen Kreisläufen zielt. Ich versuche es einmal anders auszudrücken: Konventionelle Landwirtschaft denkt heutzutage in "quadratischen" Anbauflächen, versucht also Natur in Quadrate zu pressen. PERMAKULTUR setzt auf das Zusammenwirken des ganzen Ökosystems, will also mulitkulturelle Flächen kreieren mit diversen Pflanzen und Tieren.

 


ToDo: Produzent treffen in Mexiko City

Mit vielen Informationen in meinem Kopf reiste ich also erstmal weiter, um meinen Produzenten zu treffen. Der Zufall wollte es, dass ich diesen in Mexiko-City sehen konnte.

 

Der gestiegene Vanillepreis. Die Risiken vor Ort. Ich hatte meine Bedenken. Dabei mir fiel auf, dass unsichere Faktoren wie Ernteausfälle, Klimawandel schon irgendwie schon zu meinen ständigen Begleitern geworden waren. Notgedrungen.

 

Die Unterhaltung verlief gut. Ich konnte das BIO Vorhaben transparent erklären und einen kleinen Ausblick darauf geben, wie die weiteren Schritte zusammen organisiert werden müssten. Meine Erläuterung, dass ich die Kosten für die Zertifizierung tragen würde, stimmten das Gespräch natürlich positiv. Das Vorhaben nahm also eine gute Wendung.

 


Und nun?

Die Finanzierung über 2-3 Jahre ist teilweise durch das Crowdfunding zusammengekommen. Die Zertifizerungsstelle ist gefunden und der Produzent gleichermaßen an Bord. Die Weichen sind also gestellt.

 

Ende Oktober 2017 findet nun die erste Inspektion vor der Ernte statt. Hierbei geht es um die Sondierung der Lage: Überprüfung der Dokumentation, Anbau, Ernte, Verarbeitung etc. Kostenpunkt: 1973,10€

 

Allerdings steht noch eine sehr große Aufgabe bevor, welche mir Kopfzerbrechen bereiten wird.

Aber darüber werde ich euch im nächsten Artikel berichten. Wenn du wissen willst wie es weitergeht ...

Kommentar schreiben

Kommentare: 9
  • #1

    Mathias (Montag, 01 Mai 2017 17:39)

    Ich wünsche Dir viel Erfolg und einen langen Atem.
    Du klingst sehr überlegt, es kann alles nur gut gehen.

    P.S.: "Deine" Vanille ist lecker!

  • #2

    Florian Komm (Montag, 01 Mai 2017 22:29)

    Vielen Dank, dass Du den Prozess so transparent machst.

  • #3

    Detlef Behnke (Dienstag, 02 Mai 2017 07:58)

    Hallo Sebastion,
    vielen Dank für deine ausführlichen Informationen.
    Ich wünsche dir ebenfalls viel Kraft und Ausdauer bei deinem, davon bin ich überzeugt, letztendlich erfolgreichen Projekt.Meine Unterstützung hast du!!!

  • #4

    Rosemarie Stapel (Dienstag, 02 Mai 2017 16:54)

    "Gut Ding will Weil haben"! Wenn Du weisst, wo Du hin willst, wirst Du das auch schaffen! Halte mich bitte weiter auf dem Laufenden.

  • #5

    Marius (Mittwoch, 03 Mai 2017 12:26)

    Ja, dass ist ein steiniger und langer Weg bis zur Zertifizierung.
    Aber mit Naturland liegst du sicher richtig und das Produkt ist Inspiration und Motivation zugleich.
    Viel Erfolg und Ausdauer!!!
    Marius

  • #6

    Robert (Freitag, 05 Mai 2017 15:13)

    Fantastisch Sebastian ... du arbeitest und erschaffst genau nach den Kriterien die dir und anderen Erfolg garantieren werden. Ich unterstütze deine Arbeit und werde dich über Empfehlung unterstützen.

    Ich wünsche Dir alles Bestmögliche.
    Robert

  • #7

    Norman Bücher (Donnerstag, 11 Mai 2017 20:06)

    Lieber Sebastian,

    vor deinem Durchhaltevermögen und deiner Energie ziehe ich den Hut. Ich finde es bemerkenswert, was du erschaffen hast und welchen Weg du gehst. Mach weiter so.

    Weiterhin viel Kraft und Erfolg,
    Norman

  • #8

    Richard Friedrich (Sonntag, 21 Mai 2017 21:52)

    Hi Basti, du hattest uns damals kurz nach deinem Start geschrieben. Schön, dass es vorangeht. Wir wünschen dir viel Erfolg - ich freu mich drauf mich mit dir auch beim Summit auszutauschen. Beste Grüße - Richard

  • #9

    Annne (Donnerstag, 01 Juni 2017 18:14)

    Hallo Sebastian!
    Danke für die detaillierten Informationen und den Link hierher! Ich finde dein Projekt wirklich Klasse und wünsche dir, dass sich alles nach deinen Vorstellungen entwickelt!
    Herzlich, Annne

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