Die Geschichte der Vanille

Vorab will ich anmerken, dass der Vorgang, die Ursprünge von Lebensmitteln, Früchten oder Gewürzen zu definieren, eine wissenschaftliche Disziplin ist. Deshalb ist die ermittelte geographische Herkunft einer Pflanze oder eines Produktes nie in Stein gemeißelt und muss mitunter dem aktuellen Stand der Forschung angepasst werden.

 

Im Falle der Vanille geht man nach heutigem Stand davon aus, dass sie ihren Ursprung in Mexiko hat, in der Region Papantla im Bundesstaat Veracruz.

 

Auch die seit Jahrhunderten übermittelte Legende der Vanille zeugt davon.


Vanille Ursprung Papantla Landschaft Sonnenuntergang

Vanille aus Papantla in Mexiko

Vanille aus Papantla hat also aktuell eine geschützte Ursprungsbezeichnung, eine denominación de origen, die international als Qualitäts- und Ursprungsmerkmal dient. Vergleichbar ist dies zum Beispiel mit dem Parmesan Parmigiano Reggiano, der nur in speziellen Regionen in Italien hergestellt werden darf, oder auch mit Tequila aus dem gleichnamigen Municipio Tequila, das weltweit für die Spirituose berühmt ist. So werden besondere Produkte vor Kopien geschützt und deren Ursprungsregionen ökonomisch stabilisiert. Trotzdem bleibt der Lebensmittelbetrug mit falschen Namen heutzutage allgegenwärtige Realität.


Die Ureinwohner der Region Papantla waren und sind die Totonacas, deren Geschichte eng mit der Vanille verknüpft ist. Viele der Informationen hier sind von den Totonacas erzählt und überliefert worden, so wird hier vielleicht auch ein Teil der Historie dieser Menschen festgehalten und weitergegeben.

 

Schon lange bevor die Europäer Mexiko entdeckten, wurde die Vanille von den Totonacas als Medizin geschätzt und zur mentalen Stärkung verwendet. Auf diesen medizinisch-spirituellen Einsatz deutet schon die aztekische Bezeichnung Cacixanatl hin, was so viel bedeutet wie „tiefgründige Blume“.


Traditionelles Wissen über Vanille

Lange Zeit waren die Totonacas das einzige Volk, das mit der Ernte von Vanille vertraut war, die sich zu dieser Zeit noch ungestört im tropischen Regenwald ausbreiten konnte. Erst durch den Einfluss der Aztekenherrscher gewann die Vanille an überregionaler Aufmerksamkeit und Bedeutung. Es wird berichtet, dass die vom Aztekenherrscher Itzcóatl unterworfenen Totonacas einen Teil ihres Tributs in Vanille abzuliefern hatten, sodass sie zu einem besonderen Gegenstand der Verehrung wurde.

 

Um keine Vanillewurzeln oder andere Pflanzen zu zertreten, wanderten die Totonacas auf der Suche nach der Vanilleorchidee barfuß oder nur mit leichtem Schuhwerk durch die weiten tropischen Hügellandschaften. Die reifen Samenkapseln hingen häufig sehr weit oben in den Rankenpflanzen und waren nur mit einer Bambusleiter und einem Stock zu erreichen. Verletzungen und Schlangenbisse waren ein allgegenwärtiges Risiko, dem die Totonacas begegneten, indem sie genau den Boden, die Umgebung und die Natur beobachteten.


Vanille Kakao Trunk

Da Vanille den bitterscharfen Geschmack von Kakao abrundet, wurde sie schon damals häufig damit kombiniert. Der Kakao war über die Maya zu den Azteken gelangt, die ihn Cacahuatl, also „Kakaowasser“, nannten. Der Name leitet sich ab von Chocol Haa, was in der Mayasprache soviel bedeutet wie „heißes Wasser“.

 

Den Überlieferungen zufolge soll Aztekenherrscher Moctezuma II. täglich rund fünfzig Tassen eines Kakao- Vanille-Cocktails getrunken haben, der sich bis heute in Mexiko großer Beliebtheit erfreut. Dieses anregende, pikante und nahrhafte Getränk wurde mit Chili, Zimt, Pfeffer und natürlich Vanille verfeinert und mit Maismehl angedickt. Da sowohl die Maya als auch die Azteken ihren Kakao-Vanille-Cocktail gern schaumig tranken, wurde er schwungvoll von oben in ein anderes Gefäß umgegossen.

 

Der spanische Eroberer Hernán Cortez soll zu Beginn des 16. Jahrhunderts der erste Europäer gewesen sein, der als Gast von Moctezuma II. von der „tiefgründigen Blume“ probieren durfte.

Vanille Kakao Trinkschokolade Rezept Aztekentrunk

Wie die Vanille nach Europa kam

Cortez war es auch, der die Vanille von seinen Reisen nach Spanien mitbrachte. Es sollte allerdings noch einige Jahrzehnte dauern, bis die Verwendung in Spanien und Europa üblich wurde, und so blieb die Vanille dort lange Zeit eine Leckerei für die Reichen. Die nächsten drei Jahrhunderte achteten die Spanier ganz genau darauf, ihr Vanillemonopol zu bewahren, und verboten unter Androhung der Todesstrafe, die Pflanze aus der spanischen Kolonie Mexiko auszuführen. Zu dieser Zeit gelangte fast der komplette Vanillebestand Mexikos ausschließlich nach Spanien und Europa.

 

An dieser Stelle will ich darauf hinweisen, dass die damalige Nahrung noch nicht von künstlichen Aromen oder synthetischen Produkten manipuliert worden war, sodass die Menschen über einen unverfälschten und reinen Geschmackssinn verfügten. Das erste Mal den Geschmack von so charaktervollen Gewürzen wie Kakao oder Vanille zu erleben, muss also eine immense Bewusstseinserweiterung gewesen sein. Kein Wunder also, dass Vanille schnell an Bedeutung gewann und nicht selten auch als Aphrodisiakum alle Sinne betörte. Diese Bedeutung hat die Vanille bis heute nicht verloren, sie gehört immer noch zu den begehrtesten und teuersten Gewürzen der Welt.

Vanilleschoten Vanillestangen Menge

Vom Fluch und Segen der Vanille

Die Ankunft der Europäer seit Hernán Cortez ist untrennbar verbunden mit der weiteren Entwicklung der totonakischen Gebiete und steht in engem Zusammenhang mit der Entdeckung der Vanille. Entdecker, Abenteurer, Händler, aber auch politisch Verfolgte aus Spanien, Italien und Frankreich ließen sich in Papantla nieder und prägten den Ort durch den Aufbau einer typisch kolonialen Infrastruktur mit Rathaus, Kirche und Dorfplatz. Aber trotz aller „zivilisatorischen“ Bemühungen konnten sich doch nicht alle europäischen Einwanderer an die extreme Hitze und die hohe Luftfeuchtigkeit gewöhnen und waren wenig resistent gegen die einheimischen Krankheitserreger.

 

Auch ich habe das Klima in der Region Papantla als herausfordernd und beeindruckend erlebt, gerade dann, wenn die Temperaturen im Sommer auf bis zu 50 Grad Celsius ansteigen. Oder wenn die berühmten Nordwinde in eine plötzliche Kältephase umschwingen, die die Temperaturen auf ungefähr 15 Grad Celsius herabkühlt.


Vanille Papantla Stadt Panorama

Vanille wird zum Kolonialprodukt

Schnell wurde den Einwanderern die Bedeutung der Vanille klar, sodass sie die ersten unternehmerischen Einheiten formierten, um die Produktion zu beeinflussen und den Export zu organisieren. Bis heute verdienen in Papantla einige Großfamilien, deren Nachnamen immer noch auf ihre europäischen Wurzeln hinweisen, ihr Einkommen mit Vanille.

 

Die Totonacas, die nach wie vor durch die Region zogen und Vanille ernteten, waren ein wichtiger integraler Bestandteil der Vanilleproduktion. Sie kannten die Landschaft genau, bewegten sich sicher durch das Terrain und wussten, wo die wertvollen Vanillefrüchte zu finden und wann sie zu ernten waren, um sie anschließend in der Stadt weiterzuverkaufen. Allerdings konnten sie der Bezahlung in Form von Geldscheinen nichts abgewinnen. Die pragmatischen Totonacas sahen Papierscheine als ein Risiko, da sie schnell brüchig oder nass wurden oder auf andere Arten zerstört werden konnten. Sie bevorzugten widerstandsfähigere Silbermünzen oder Silberklumpen, die sie zu Hause vergraben konnten. Noch heute werden diese kleinen Schätze ab und zu in der Erde gefunden.

 

Während in Mexiko der Vanillehandel Formen annahm, wanderte das Gewürz in Europa durch die Königshäuser. Erst mit der Unabhängigkeit Mexikos wurden um 1810 die ersten Vanillestecklinge nach Paris und Antwerpen gebracht, 1819 begannen die Niederländer, die Vanillepflanze in ihren Kolonien auf Java zu kultivieren. Drei Jahre später folgten die Franzosen ihrem Beispiel und brachten die Vanillepflanze nach La Réunion, die damals bezeichnenderweise noch Île Bourbon hieß. Nicht nur Ludwig XIV. soll von dem edlen Gewürz wie besessen gewesen sein, sodass der Anbau in seinen Kolonialgebieten in großem Maßstab betrieben wurde, um die große Nachfrage zu befriedigen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, die Vanillepflanze dort heimisch zu machen, wurde sie auch auf den größeren Nachbarinseln angesiedelt: Madagaskar, den Komoren, den Seychellen und Mauritius. Heute darf nur die Vanille den Namen „Bourbon-Vanille“ tragen, die nachweislich von einer dieser sogenannten Vanilleinseln stammt.

 

Letztendlich sind die Bourbon-Vanille und fast alle anderen Unterarten Kopien der mexikanischen Vanille. Durch die gezielt gesteuerte Produktion und Verbreitung der Bourbon-Vanille in den Gebieten der Kolonialmächte wurde sie schnell zur bekanntesten Vanillesorte und ist es bis heute geblieben. Anfang des 20. Jahrhunderts verschob sich der Produktionsschwerpunkt der Bourbon-Vanille von La Réunion in den Nordosten Madagaskars. Heutzutage sind die Hauptanbauländer immer noch Madagaskar und Indonesien und nur noch wenige wissen, dass die Vanille ihren eigentlichen Ursprung in Mexiko hat. Auch ich war ja zu Beginn meiner Vanillegeschichte diesem Irrtum aufgesessen.


Bestäubung der Vanillepflanze

Die Probleme, die die Europäer bei der Vanillekultivierung außerhalb von Mexiko hatten, sind leicht nachvollziehbar. Die Vanilleorchidee ist eine hochsensible Pflanze, die, um gedeihen zu können, das tropische Klima Mexikos und die nur dort beheimateten Bestäuber braucht. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis für dieses kostbare Gewürz eine künstliche Form der Bestäubung entwickelt werden musste.

 

Um 1836 glückte dies in Belgien dem Botaniker Charles Morren, von wo aus die neue Technik über Paris nach La Réunion gelangte. Dort konnte etwa zeitgleich auch der erst 12-jährige versklavte Junge Edmond Albius erfolgreich die erste künstliche Vanillebestäubung durchführen.

 

Der Weg zur groß angelegten, professionellen Plantagenproduktion war geebnet.

Vanille Bestaubung Erfinder

Und wie ging es mit der mexikanischen Vanille weiter?

Doch zurück ins Mexiko des 17. und 18. Jahrhunderts. Durch die weltweit steigende Nachfrage und die Europäer, die in Papantla mit der Vanille gutes Geld verdienten, wurden auch die Totonacas zum Bestandteil des Wirtschaftskreislaufs. Sie begannen, die Pflanzen gezielt zu suchen, zu beobachten, zu beschützen und sie während der kurzen Blütezeit künstlich zu bestäuben.

 

Dabei ist es bis heute nicht geklärt, ob die Totonacas die Bestäubung per Hand selbst entwickelt oder die Technik von den Europäern übernommen hatten. Mit dem Wachstum der europäischen Plantagen in der Region Papantla wuchs auch der Vanillemarkt in Gesamtmexiko.


Da die meisten Totonacas mittlerweile das komfortable Leben in urbanen Gebieten den Entbehrungen der Natur vorziehen und andere Ziele als den Vanilleanbau verfolgen, leben heute nur noch wenige von ihnen in den Regenwäldern Papantlas. Damit geht das über Jahrhunderte tradierte Wissen über die Vanille langsam verloren.


Hier wird die Vanille verwendet

KiezEis (Berlin)

Fritzze (Berlin)

CAPERRI! (Berlin)

Restlos Glücklich (Berlin)

Hitzefrei (Dortmund)

ART PARFUM (Oy-Mittelberg)

Guteseis (Bremen)

Birne&Beere (Hannover)

Weltkind (Werneck)

Bäckerei Galm (Bergrheinfeld)

Jö-makrönchen (Hamburg)

Confiserie Baumann (Zürich)

Grei.beer (Saarlouis)

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Hinweis: Vanille kann süchtig machen.

Verwendung sowie Konsum u.a. in Verbindung mit Zucker sollte in Maßen und erst ab dem Alter von 6 Jahren erfolgen. 

 

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